Glaubt es oder nicht, wir haben genau drei Wochen ge(heil)fastet. Wir begannen unser Fasten am 14. August. Während des Fastens nahmen wir einzig einen Tee aus speziellen Kräutern unter Zugabe von Honig und Apfelessig zu uns. Drei Wochen haben wir nur diesen Tee verzehrt. Wir haben nichts gegessen und auch nichts anderes getrunken.
WIE ES KAM UND WARUM
In Kuba haben wir ein russisches Ehepaar getroffen, die seit 15 Jahren in ihrem selbstgebauten Boat um die Welt segeln. Wir erfuhren, dass Mike und seine Ehefrau bereits vielen Menschen geholfen hatten, ihre Erkrankungen mittels des Heilfastens zu besiegen. Da wurde ich hellhörig, denn ich leide an Verdauungsproblemen, die durch den 28 Jahre langen Verzehr von Milchprodukten herühren, denn ich wusste all diese Zeit nichts von meiner Laktoseunverträglichkeit. Die Hälfte dieser Zeit verbrachte ich mit starken, unangenehmen Symptomen, aber niemand, selbst die Ärzte nicht, wusste warum. Und so akzeptierte ich still und leise meine Probleme als "normal". Fünf Monate nachdem ich Vegetarier wurde, fand ich die Laktoseintoleranz durch Eigenexperimente heraus. Diese Intoleranz ist genetisch veranlagt. Mein Vater hat sie, aber leider habe ich den bereits seit meinem 7. Lebensjahr nicht mehr gesehen, er konnte es mir also nicht sagen.
Seit ich Vegetarier wurde geht es mir richtig gut, doch trotz dass viele Probleme abgenommen haben, einige der Verdauungsschwierigkeiten haben niemals aufgehört. Das störte mich gewaltig und Heilfasten klang für mich als logische und mögliche Lösung für mein Problem. Augustas unterstützte mich indem wir zusammen fasteten. Mike sandte uns die Kräuter zu und nachdem wir uns in Cuenca niedergelassen hatten, begannen wir zu fasten.
DER PROZESS DES HEILFASTENS
In der Nacht vor dem Beginn der Fastenzeit versteckten wir alle haltbaren Lebensmittel unter der Spüle. Am nächsten Morgen tranken wir eine Menge Salzwasser, um unsere Mägen und Därme komplett durchzuspülen. Dann bereiteten wir die Kräutermischung zu, die sich als sehr schmackhaft herausstellte. In Windeseile gewöhnten wir uns daran den ganzen Tag unseren Tee zu trinken. Das Aufstehen und Fertig machen am Morgen passierte schneller als nie zuvor. Wir machten täglich unsere Gymnastikübungen, arbeiteten wie verrückt (am Computer) und fühlten uns während der ganzen Fastenzeit glücklich.

Während der ersten Tage merkten wir, wie sich unsere Mägen veränderten. Nach der ersten Woche registrierten wir einen Gewichtsverlust, welcher sich weniger intensiv bis zum Ende des Fastens fortsetzte. Ich fühlte mich wie ein Eiszapfen, denn während des Fastens sinkt die Körpertemperatur ab. Es schien als ob Cuenca mit uns fastete, denn kaum hatten wir begonnen, sanken die Außentemperaturen enorm. Fast die ganze Fastenzeit über fühlten wir uns stark, voller Energie und wach. Enorm selten empfanden wir Schwäche, die wir mit ein wenig mehr Honig im Tee bekämpften. Unsere Zähne wurden extrem empfindlich, da wir täglich Essig zu uns nahmen. Manchmal taten bestimmte Teile unseres Körpers weh, was normal ist, denn während des Fastens erzählt einem der Körper, was nicht in Ordnung ist - und versucht es geradezubiegen.
Warum drei Wochen? Der Körper braucht 14 Tage, um sich von jeglichem Abfall, Giften und falschen Nahrungszufuhren zu befreien. Die dritte Woche ist die "Reparaturphase", in der sich der Körper schließlich auf die Heilung und Erneuerung von Zellen konzentrieren kann.
Hatten wir Essensgelüste? Natürlich, aber normalerweise keine der Sorte "hungrig sein". Wir träumten "lediglich" vom Essen. Während Augustas anfing von Kartoffelgerichten mit Eiern und Frischkäse zu träumen, begann ich an von Gemüsesuppe und gekochten Kartoffeln zu schwärmen. In einigen Situationen, wenn der Magen zu sehr "träumte", wurde der Wunsch nach Essen stärker. Aber generell hielten wir ein gutes Gleichgewicht. Wir litten keineswegs während des Fastens. Die letzten Tage vor dem Ende der Fastenzeit begannen unsere E

ssensgelüste selbstverständlich nach den köstlichsten Speisen zu verlangen. Wir akzeptierten das als normal, denn wir WUSSTEN ja, dass das Ende naht.
In den drei Wochen, in denen wir nur von unserem Teemischgetränk lebten, verwendeten wir unzählige Liter gekochtes Wasser, 1,5 Liter Apfelessig und 8 Liter Honig.
DAS ENDE DER FASTENZEITWährend man einfach so aufhören kann zu essen, gilt das nicht andersherum, jedenfalls nicht nach so einer langen Fastenzeit. Wir benötigten eine ganze Woche, um zum normalen Essensprozess zurückzugelangen, da der Magen, der Darm, ja - der ganze Körper! sich erst einmal wieder an die Essenslieferung gewöhnen muss. Und so lebten wir am ersten Tag nur von einer Mischung aus gekochtem Wasser und frischgepressten Apfelsaft. Am zweiten Tag gaben wir uns zum Vollsten dem Genuss von reinem, frischgepressten, traumhaft-leckerem Apfelsaft hin. Der dritte Tag brachte uns ganze drei Äpfel als Nahrung. All diese Tage mussten wir zu jedem Getränk und Apfel eine Menge Knoblauch verzehren. Während der ersten drei Tage konsumierten wir insgesamt 137 Äpfel und einen Haufen voller Knoblauchköpfe.
Am vierten Tag veranstalteten wir ein kleines Fest für uns Zwei. Es war Freitag morgen und wir hatten die Erlaubnis Suppe zu essen. Wir standen um 6 Uhr morgens auf, bereiteten eine ausgezeichnete Gemüsesuppe zu und schauten uns während derem Verzehr den Trickfilm "Ratatouille" (eine Ratte, die zum Gourmetkoch in einem Restaurant für Delikatessen wird) an. Es war ein wundervoller Morgen.
Am Samstag und Sonntag (5. und 6. Tag) durften wir bereits alles außer Fisch und Fleisch essen. Während wir bei der Menge der Futterrationen vorsichtig sein mussten, feierten unsere Geschmacksnerven ein Fest höchster Gefühle. Wir luden gar ein paar Freunde zu einem Sonntagsessen ein, um mit ihnen das Ende der Fastenzeit zu feiern. Erst fasten, dann schlemmen!
Heute ist unser letzter Tag und uns ist es gegönnt, endlich wieder alles verzehren zu können. Wir sind glücklich, und ein wenig stolz, dass wir es geschafft haben, die erforderlichen 21 Tage durchzuhalten. Das Fasten war ein wahrer Erfolg. Es ist eine unglaubliche Erfahrung und wir hoffen, das Fasten eines Tages zu wiederholen. Nicht im Moment, aber wir könnten uns gut vorstellen, es während unseres nächsten, langatmigen Aufenthaltes im Irgendwo zu realisieren.